STRASSBURG


Als europäische Hauptstadt am Kreuzweg der lateinischen und germanischen Welt und siebtgrößte Stadt Frankreichs verfügt Straßburg über ein einzigartiges architektonisches Erbe.

Am Rheinufer gelegen, blickt die Stadt, deren Zentrum zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde, auf eine 2000-jährige Geschichte zurück. Geschickt vereint sie Tradition und Moderne und lässt sich zu Fuß, mit einem der zahlreichen Ausflugsboote, per Tram oder auch mit dem Fahrrad erkunden.
Ihre Gastronomie, ihre Weine und Biere zählen ebenfalls zu den Aushängeschildern der elsässischen Metropole.


Im Jahre 1988 wurde die Straßburger "Große Insel" auf der exklusiven Liste des Welterbes der UNESCO aufgrund von drei Kriterien aufgenommen:

das Münster als einzigartiges Kunstwerk und als herausragendes Element der gotischen Kunst in Europa;

die "Große Insel", ein außergewöhnliches innerstädtisches Ensemble, typisch für Mitteleuropa und ein einzigartiges Beispiel für die heimische, rheinische Architektur.

Damit ist Straßburg die erste französische Stadt, deren Aufnahme in die Liste des Welterbes nicht nur ein Denkmal oder Bauwerk betrifft, sondern eine historische und städtische Innenstadt in ihrer Gesamtheit.

EIN REICHES KULTURERBE

Im Jahr 12 v. Chr. bestand der ursprüngliche Stadtkern aus einem römischen Lager namens Argentoratum. Durch die Rue du Dôme und die Rue des Juifs, vormals Hauptstraße und Prätorianerstraße, zogen seinerzeits die Legionen Cäsars. Aber das Mittelalter ist die eigentliche Blütezeit Straßburgs. In dieser Zeit gehörte die Stadt zum "Heiligen Römischen Reich deutscher Nation", das sich durch eine vorbildhafte Verfassung auszeichnete, über welche sich der große Humanist Erasmus von Rotterdam in Lobeshymnen erging.

Zwischen dem XI. und dem XV. Jhr. wurde das Münster, das Wahrzeichen der Stadt, errichtet. Noch heute legt es ein beredtes Zeugnis ab über eine Zeit, in der die Kunst im Dienst des Glaubens stand. Umgeben ist es von winkeligen Gassen, die den Namen von Gilden und alten Märkten tragen, und von denen ein mittelalterliches Flair ausgeht.

Ganz in der Nähe werden Sie bei Ihrem Rundgang auf historische Gebäude stoßen, die einen trefflichen Eindruck vom öffentlichen Leben der damaligen Zeit vermitteln, wie das Haus der Oeuvre Notre-Dame, das im Zusammenhang mit dem Bau des Münsters entstand. Früher Sitz der Steinmetzgilde befindet sich in seinen Räumlichkeiten heute eines der schönsten Museen Frankreichs, das u. a. die Kunst der mittelalterlichen Statuen in den Mittelpunkt stellt. Und direkt am Ill-Ufer liegt die Ancienne Douane, ein imposantes Gebäude mit Zinnen und Giebeln, das die schon damals rege Handelstätigkeit der Stadt veranschaulicht, diente es doch früher als Warenlager. Die Türme der Ponts Couverts ("überdachte Brücken") sind die bemerkenswert erhaltenen Überreste der Befestigungsanlage, die Straßburg im Mittelalter umgab, und durch welche die Verteidigung dieser freien Stadt gewährleistet wurde.




1681 wurde Straßburg französisch, was mit einer bedeutenden politischen, aber auch religiösen und geistig-ästhetischen Neuerung einherging. Straßburg verlor zwar seinen autonomen Status größtenteils, wurde aber Regionalhauptstadt, da die Hohe Militärkommandatur und die Militärintendantur Elsaß unter anderen hier ihren Sitz nahmen. Mit unvorstellbarem Prunk wurde die Ankunft von Ludwig XV. und von Marie-Antoinette in Straßburg gefeiert. Mozart gab hier eine Reihe von Konzerten, und Goethe war einer der berühmtesten Studenten der bedeutenden Straßburger Universität.

Allerorts wurden schmucke Patrizierhäuser im Pariser Stil erbaut. Viele dieser Stadtresidenzen liegen im Bereich von Broglie-Platz und Rue Brûlée : das Hôtel Klinglin (heute Hôtel des Präfekten), Hanau-Lichtenberg (heute das Rathaus), das Hôtel de Deux-Ponts (derzeit das Hôtel des Militärkommandeurs), das Hôtel du Grand Doyenné (derzeit bischöfliches Palais)... Aber das unzweifelhaft schönste und prächtigste Bauwerk ist das Rohan-Palais, das nach den Plänen von Robert de Cotte, einem der Architekten von Versailles, erbaut wurde, und seinen Namen der Dynastie von Fürstbischöfen verdankt, die hier bis 1789 ihren Sitz hatten.



Die Revolution von 1789 sowie die napoleonischen Kriege trugen zur weiteren Integration Straßburgs in die französische Nation bei. Und hier komponierte Rouget de l'Isle 1792 das Lied der französischen Rheinarmee, das später die Nationalhymne Marseillaise werden sollte !

Die Zeit der Zugehörigkeit zum deutschen Reich (1871-1918) kennzeichnet sich durch eine umfassende Stadterweiterung in Richtung N.-O., sowie einen architektonischen Stil, der den historischen Eklektizismus des Endes des XIX. Jhrs. wiederspiegelt : offiziell-repräsentative Bauten (Palais du Rhin, Präfektur, Bibliothek, Universität), Kirchen St-Paul und St-Maurice, zahlreiche Schulen... und einige schöne Fassaden, die von der kurzen Blüte des Jugendstils um die Jahrhundertwende zeugen.

Straßburg ist, wie Le Corbusier sagte, eine Stadt "die zu wachsen wußte". Es gilt für das Stadtviertel, das die europäischen Institutionen beherbergt – den beeindruckenden Europapalast (1975), den Palast für Menschenrechte (1995), und seit 1999 auch das neue Gebäude des Europaparlaments. Straßburg ist eine Metropole europäischer Größenordnung, die sich zugleich den Charme einer lebenslustigen Stadt bewahren konnte.


GERBERVIERTEL PETITE FRANCE


In den Gassen der Petite France erwacht das alte Straßburg zum Leben. Das ehemalige Viertel der Fischer, Müller und Gerber gleicht einer Insel des Friedens inmitten der Stadt. Im « kleinen Frankreich » drängen sich dicht an dicht Fachwerkhäuser des 16. und 17.Jh. mit weiträumigen Innenhöfen und hohen Spitzdächern, welche sich über die offenen Dachböden spannen, in denen früher die gegerbten Häute zum Trocknen aufgehängt wurden.




In der Verlängerung des Gerberviertels der Petite France erstrecken sich die Gedeckten Brücken. Als ihr Dach im 18. Jh. verschwand, blieb der Name erhalten. Hinter ihnen erheben sich vier Wehrtürme aus dem 14. Jh. Diese Überreste der ehemaligen Stadtmauer waren ein Garant der Unabhängigkeit Straßburgs. Nach der Einverleibung Straßburgs in Frankreich im Jahre 1681, ließ Sébastian Vauban einen neuen Verteidigungsgürtel errichten.







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